Leonhart und Leonhart
Wirtschaftstreuhand Gmbh + Co KG



12.2.2018

Negativzinsen, Zinsrückstattungen und Gratiskredite

Die Gerichte haben 2017 entschieden: Banken müssen bei Privatkrediten die Negativzinsen weitergeben. Laut einem OGH-Judikat müssen die Banken bei Konsumetenkrediten die seit 2015 mitunter zu viel eingehobenen Zinsen an die Kreditnehmer zurückzahlen.


Dies betrifft allerdings ausdrücklich nur Privatkredite, soweit betriebliche Kredite vorliegen, ist diese Judikatur nicht anzuwenden.
Der Libor zeigte erstmals im Dezember 2014 einen negativen Wert. Im Jänner 2015 erreichte er einen Tiefstand von unter Minus 0,95% und verharrt bis heute im Minus. Im Euribor ist das Minus zwar nicht so kräftig, aber doch auch gegeben. Der Euribor sank 2015 auf unter -0,1% und war 2016 auf unter -0,3%, wo er aktuell auch immer noch ist.


Nach unserer Beobachtung zahlen die meisten Banken die zu Unrecht eingehobenen Zinsen ohne Aufforderung seitens des Kreditnehmers automatisch zurück. In manchen Fällen (beispielsweise Ärztebank) wurden bereits in der Vergangenheit die Negativzinsen an die Konsumenten weitergegeben.


Nach dem Absinken der Referenzzinssätze in den negativen Bereich haben die meisten Banken reagiert und bei neueren Krediten einen zusätzlichen Vertragspassus vorgesehen, nach dem zumindest der vereinbarte Zinsaufschlag bezahlt werden muss. Auch hier könnte das Ergebnis eintreten, dass die Banken bei Konsumentenkrediten den negativen Euribor weitergeben müssen. Davon könnten auch Bankinstitute betroffen sein, die bei alten Verträgen die Negativzinsen zwar weitergegeben haben, bei neueren Kreditverträgen aber dann auch diesen Passus eingefügt und die Zinsberechnungen dementsprechend vorgenommen haben. Bei solchen Kreditverträgen sollte daher jedenfalls eine laufende Überprüfung der Zinsabrechnungen vorgenommen und entsprechend reklamiert werden.

Insbesondere bei CHF-Krediten kann es bei niedrigen Aufschlägen (z.B. 0,7%) nun vorkommen, dass gar keine Zinsen mehr anfallen. Theoretisch ergäbe sich daraus sogar die Möglichkeit, Zinsen von der Bank zu erhalten. So weit ist der OGH allerdings nicht gegangen. Das heißt, Kredite, bei denen man Zinsen bekommt, anstatt welche zu bezahlen, gibt es weiterhin nicht, wohl aber Gratiskredite.


Tipp: Überprüfen Sie die Zinsabrechnungen Ihrer privaten Kredite. Besonders bei CHF-Krediten können daraus lohnende Zinsgutschriften resultieren.


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